Griechen
In voller Schärfe entbrennt die Frage, ob und unter welchen Umständen Kriege als gerechtfertigt anzusehen seien, in der Zeit der römischen Eroberung des Mittelmeerraumes und der dadurch ausgelösten Auseinandersetzung Roms mit dem kulturell überlegenen Griechentum. Anläßlich der Philosophengesandtschaft (155 v. Chr.) bringt der akademische Philosoph Karneades das Thema in Rom zur Sprache. Dort wurde die Frage der Rechtmäßigkeit des Krieges zuvor nicht unter moralischen, sondern (lediglich) unter kultischen Gesichtspunkten betrachtet. Wenn die Fetialen den Krieg in der rechten Weise unter Vollzug der vorgeschriebenen kultischen Handlungen eröffnet hatten, galt er als juristisch abgesichert. Karneades verurteilt diese Praxis unmißverständlich als legitime iniurias facere. Wenn die Römer die Gerechtigkeit wiederherstellen wollten, müßten sie sich in die armseligen Hütten auf dem Palatin zurückziehen, von denen sie ihren Ausgang genommen hätten. Durch den Auftritt des Karneades bekommt die bellum-iustum-Thematik, die ursprünglich rein sakraljuristisch betrachtet wurde, auch in Rom eine neue Dimension. Die römischen Autoren sehen sich vor die Aufgabe gestellt, die Kriege Roms auch ethisch zu rechtfertigen.